Selbstverantwortliches Lernen

Die wichtigsten Bausteine beim Selbstverantwortlichen Lernen (SVL) sind Individualisiertes Lernen, Kooperatives Lernen sowie Reziprokes Lehren und Lernen durch Lehrern.

Dabei steht das Lernen auf der Basis von Kompetenzrastern, was sich aus dem Bildungsplan 2004 ergibt, an zentraler Stelle.

Anhand dieser Kompetenzraster entwickeln Lernende und Lernbegleiter gemeinsam einen individuellen Lernweg, der sie durch die Lernlandschaften führt.

Die Freie Stillarbeit wird seit dem Schuljahr 2005/06 an der ASW praktiziert, während die Arbeit mit dem Kompetenzraster erst im Schuljahr 2011/12 in den fünften Klassen eingeführt wurde und in den nächsten Jahren auf alle Klassen übertragen wird.

Die Umgestaltung der Klassenzimmer in Lernateliers und das Einrichten von Präsentations- und Gruppenräumen wurde für die Jahrgänge 5 bis 7 bereits umgesetzt. Bis zum Schuljahr 2015/16 wird ein Neubau für die Jahrgänge 8 bis 10 erstellt, der das SVL durch seine Baulichkeit in besonderem Maße unterstützt.

Die digitale Lernplattform DiLer bildet seit dem Schuljahr 2013/14 die grundsätzliche Organisationsbasis für das Selbstverantwortliche Lernen. Die Steuerung der individuellen Lernprozesse wird dadurch enorm erleichtert. Informationen wie Input-Filme, Texte, Arbeitsblätter, Spiele und Lern-apps sind für die Lernenden rund um die Uhr erreichbar und leicht zu finden. Viele Schulen aus dem deutschsprachigen Europa vernetzten sich  mit der ASW um Lernpakete auf der Basis von DiLer auszutauschen. Im Bereich des SVL hat seit der Einführung von DiLer ein neues Zeitalter begonnen.

Es gibt drei wichtige Bausteine die die ASW genauer definiert hat, um Selbstverantwortliches Lernen umzusetzen.

 

Die 3 Grundprinzipien des Selbstverantwortlichen Lernens

 

 

Inividualisierung

Rheinhard Kahl schreibt über Individualisierung und Film mit gleichem Namen folgendes: „Jeder Mensch ist eine Primzahl, teilbar nur durch eins und sich selbst. Die Individualisierung des Lernens antwortet also darauf, dass jedes Kind eine eigene Geschichte hat, anders denkt und anders lernt. Doch gute Schulen bieten Kindern auch eine Gemeinschaft. Denn Lernende brauchen diesen Schutz, um eigene Wege wagen zu können.“

Diese Definition von Individualisierung und die dazu gehörende Haltung hat sich die ASW zu Eigen gemacht. Das Kind und seine Bedürfnisse stehen im Mittelpunkt aller Vereinbarungen und Aktivitäten. Jeder Lernpartner hat seinen individuellen Arbeitsplatz und einen eigenen Lernbegleiter der auf dem persönlichen Lernweg zur Seite steht und die nötige Sicherheit gibt.

Um deutlich zu machen, was die Alemannenschule Wutöschingen von anderen Schulen unterscheidet, möchten wir zunächst einen Blick auf das herkömmliche Modell der Wissensvermittlung werfen den uns Herr Peter Fratton ermöglicht hat.

In vielen Schulen erfolgt die Wissensvermittlung als «7- G-Unterricht»: Alle gleichaltrigen Kinder sollen beim gleichen Lehrer mit dem gleichen Lehrmittel im gleichen Tempo das gleiche Ziel zur gleichen Zeit gleich gut erreichen. Kinder, die in diesem System den Anschluss verlieren, erfahren Sanktionen: sie müssen «nachsitzen», «Nachhilfeunterricht» nehmen oder das Schuljahr wiederholen oder – wenn sie besonders begabt sind – warten, bis die «anderen auch soweit sind».

In diesem System können selbst hoch engagierte Lehrkräfte keine individuelle Förderung mehr leisten. So prägen nicht die Bedürfnisse des Kindes den Unterricht, sondern der Stundenplan. Statt das Schulleben nach den Bedürfnissen junger Menschen zu gestalten, erwartet man, dass die Heranwachsenden «schulgerecht» funktionieren.

Der pädagogische Ansatz der Alemannenschule Wutöschingen als Gemeinschaftsschule verfolgt eine grundlegend andere Orientierung: Er stellt den Lernwunsch des Kindes in den Mittelpunkt.

Die Lust zu lernen, die eigene Neugier und der Wunsch nach Leistung sind drei wichtige Antriebskräfte, mit deren Hilfe sich Menschen Wissensgebiete erschließen und Fertigkeiten entwickeln.

Weil an der Alemannenschule vor allem jeder einzelne junge Mensch und seine individuelle Ausgangslage im Mittelpunkt stehen, verzichten wir auf auf den „7-G-Unterricht“ zugunsten eines Konzepts, das wir als „V-8-Begleitung“ beschreiben: Auf vielfältigen Wegen mit vielfältigen Menschen an vielfältigen Orten zu vielfältigsten Zeiten mit vielfältigen Materialen in vielfältigen Schritten mit vielfältigen Ideen in vielfältigen Rhythmen zu gemeinsamen Zielen.

 

Kooperatives Lernen

Beim Kooperativen Lernen werden in Partner- oder Gruppenarbeit gemeinsam Ergebnisse erreicht. Die lernenden Schülerinnen und Schüler unterstützen sich gegenseitig bei der Arbeit. Die nachhaltigen Erfolge im kognitiven Bereich werden durch das hohe Aktivierungsniveau der Schülerinnen und Schüler im Unterricht (strukturierte Lerngruppe) und die methodische Vielfalt erreicht.
Das positive Selbstbild der Lernenden wird durch den Aufbau von Problemlöse- und Sozialkompetenz verbessert. Ein förderliches soziales Klima mit positiven Abhängigkeiten innerhalb der Schülerschaft ist beim Kooperativen Lernen eine Grundvoraussetzung für die erfolgreiche Arbeit in Gruppen.

 

Was bedeutet Kooperatives Lernen? Zu den Merkmalen des Kooperativen Lernens:

 

Im traditionellen Rollenverständnis der Lehrkräfte werden die Schülerinnen und Schüler als „Wissenskonsumenten“ betrachtet, während die Lehrer/-innen das Wissen vermitteln. Diese Auffassung wird inzwischen von der Sichtweise abgelöst, dass die Schule förderliche soziale Lernangebote schaffen muss, in denen Schüler/-innen kooperieren und zusammenarbeiten können, um Wissen aufzubauen und Aufgaben oder Schwierigkeiten zu lösen. Der Erfolg solcher Ansätze hängt davon ab, inwieweit ein gemeinschaftliches und kooperatives Unterrichtsumfeld entsteht. Hier sind die Schüler/-innen dazu angehalten, eine aktivere Rolle im Lernprozess einzunehmen, und den Lehrern/-innen kommt die Aufgabe zu, ein prozessunterstützendes Lernumfeld zu schaffen.
Kooperatives Lernen ist demnach eine Unterrichtsform, die verlässlich die Schüleraktivitäten im Unterricht steigert und die Team- und Kooperationsfähigkeit der Schülerinnen und Schüler nachhaltig fördert.
Dies wird durch ständig wechselnde Arbeitsgruppen, sehr strukturierte Einzel-, Partner- und Gruppenarbeit sowie eine gezielte Mitverantwortung der Schülerinnen und Schüler an der Ergebnissicherung, durch geeignete Präsentationsformen erreicht.

Kooperatives Lernen bedeutet, dass die Schülerinnen und Schüler gemeinsam aber auch allein arbeiten. Kooperatives Lernen schließt abwechslungsreiche Methoden und Unterrichtsformen ein (Lehrer/-innenvortrag, Film, Experiment uvm.). Beim Kooperativen Lernen geht es nicht um Gruppenarbeit im Gegensatz zur Einzelarbeit oder Frontalunterricht. Ziel ist die Aktivierung der Schülerschaft. Daher steht die Konzeption des Kooperativen Lernens für die Integration all dieser Unterrichtsformen in den Unterrichtsalltag.
Es entwickeln sich nicht nur die Sozialkompetenz der Schüler/-innen, sondern darüber hinaus auch ihre methodischen und fachlichen Fähigkeiten. Nicht zuletzt steigern sie auch ihr Selbstwertgefühl und das Selbstmanagement. Des Weiteren können Schülerinnen und Schüler an der Entwicklung von Unterrichtsplänen und Maßnahmen in der Klasse beteiligt werden und ihre Kommunikationsfertigkeit trainieren.
Wenn das Kooperative Lernen umgesetzt werden soll, muss nicht der komplette Unterricht umgestellt werden. Es lässt sich problemlos in Ihren bisherigen Unterricht integrieren.
Kooperatives Lernen kann der Lehrkraft Entlastung bringen. Das Grundprinzip führt dazu, dass die Phasen, in denen die Schülerinnen und Schüler selbständig lernen, länger werden und Verantwortung für die Gruppenmitglieder übernehmen.

Quellen: Landesinstitut für Bildung Bremen, Peter Fratton

 

Reziprokes Lehren

Reziprokes Lehren ist eine Gruppenaktivität, bei der das Lesen von Fachtexten geschult wird.

Die Lernenden arbeiten in Gruppen von ca. 6 Mitgliedern. Der Text wird abschnittweise still gelesen und dann gemeinsam besprochen. Für die Besprechung übernehmen die Lernenden abwechselnd die Lehrerrolle. Sie stellen in dieser Rolle jeweils sicher, dass die folgenden vier Strategien der Reihe nach angewendet werden:

 

 

 

Reziprokes Lesen - eine kooperative Lesemethode

Rollenkarten für das Reziproke Lesen

Kooperative Textarbeit mit der Methode "reziprokes Lesen", Foto: © Katja Schulz

Im Fachunterricht stellt das Erschließen von verdichteten und stark formalisierten Texten hohe Anforderungen. Hier bietet sich der Einsatz kooperativer Lesemethoden an, da die Schülerinnen und Schüler im Austausch - wechselseitig aufeinander bezogen - die Inhalte besser verstehen und Verständnisprobleme schnell klären können. 

Beim reziproken Lesen erarbeiten vier Schülerinnen und Schüler einen Text abschnittweise gemeinsam. Sie übernehmen abwechselnd verschiedene Aufgaben. Auf Rollenkarten (A bis D), die während der Gruppenarbeit am besten für alle sichtbar auf dem Tisch liegen, sind die Aufgaben notiert.  

Ablauf:
Vorab wird der Text - von der Lehrkraft oder der Vierergruppe - in Abschnitte eingeteilt. Zuerst wird ein Abschnitt von allen leise gelesen. Anschließend wird er arbeitsteilig erarbeitet: 

A liest den Abschnitt des Textes vor und stellt den Gruppenmitgliedern anschließend Fragen zum Inhalt. (Fragen)

B fasst den Inhalt des Abschnitts mündlich kurz zusammen. (zusammenfassen)

C stellt Fragen zu Textstellen und Wörtern, die schwierig sind oder die er/sie nicht verstanden hat. Im gemeinsamen Gespräch werden Verstehenslücken geschlossen. Wenn erforderlich, werden Hilfsquellen benutzt oder wird die Lehrkraft befragt. (klären)

D stellt Vermutungen darüber an, wie der Text weitergehen könnte. Die anderen Gruppenmitglieder ergänzen. (Vorhersagen)